Sternschnuppe
- Prisca Santschi

- vor 2 Tagen
- 4 Min. Lesezeit
Der Himmel hat am 21.04.2026 einen neuen Stern, der den wundervollen Namen Nacho trägt, dazugewonnen. Einige Wochen später hat dieser Stern mir eine Sternschnuppe gesandt, sie trägt den klangvollen Namen Snow. Davon und von ganz vielen weiteren kleinen und grossen Wundern, welche täglich um uns herum passieren, bin ich mittlerweile mehr als überzeugt. Oft passieren diese Wunder unbemerkt, aber nicht dieses Mal.
Gestern, 09.08.2026 ist Snow hochoffiziell bei ihrem für immer zu Hause eingezogen. Sie wird nun teil unserer Abenteuer sein, die Welt mir ihren eigenen Augen erkunden dürfen und auf grossen Pfoten durchs Leben hüpfen.
Snow hat sich gestern mit ihrem ganzen Wesen bedankt, da soll mir noch einer sagen, dass diese Wesen keine Seele haben!
Wenn ich anfange, zurück zu blicken, hatte Nacho im November 2023 ihre schwere Hirnhautentzündung und musste operiert werden. Sie erblindete auf einem Auge und ihr Gehör wurde in Mitleidenschaft gezogen, sie kämpfte sich zurück ins Leben! Einige Monate später wurde Snow geboren, ihr Start war alles andere als liebevoll. Ihr Schicksal, war aber gleichzeitig der Anfang meiner Schritte auf ihrem Weg. Dadurch, dass Nacho nach der Operation kaum noch was hörte, durfte ich mich die letzten zwei Jahre mit dem Thema befassen, wie es ist ein Leben mit einem Tauben und halb Blinden Hund zu führen.
Wenn das nicht der Beginn der Sternschnuppe gewesen ist, dann weiss ich auch nicht, warum manche Wege nur über einen Umweg ans Ziel führen. So bin ich fast sicher, dass ein Abschied auch immer eine Chance für einen neuen Anfang sein kann. Das liebevolle Wesen, welches heute die Chance bekommen hat, wird eines Tages den Weg für ein neues Lebewesen vorgeben. So ergibt der Kreislauf des Lebens irgendwie einen Sinn.
Und wer nicht an solche Übergänge glaubt, dem kann ich gerne auch die mathematische Formel hinterlegen "42, per Anhalter durch die Galaxis", denn eine Formel für den Sinn des Lebens gibt es soweit mir bekannt ist nicht. Denn 0 und 1 sind reine Zahlen, welche in einer logischen Reihenfolge abbildbar sind. Emotionen folgen also keiner Logik. Ich könnte aber eine Sinusfunktion anlehnend an diese Theorie mit der Sternschnuppe kleben, die dann die schöne Formel: «Der Sinus eines Winkels α ist gleich der Länge der Gegenkathete geteilt durch die Länge der Hypotenuse…» oder anders rum, wir berechnen ein Dreieck… aber lassen wir das einmal so stehen, bevor sich meine anhaltende Emotionalität, wieder ins Nirvana verabschiedet.
Es war also nichts umsonst! Was ich mit Nacho erlernen durfte, kommt mir heute mit Snow zugute. Denn hätte ich die Erfahrungen mit Nacho nicht gemacht, so hätte ich mich niemals auf ein Inserat beworben, indem ein tauber Hund ein zu Hause sucht. Diese Hürde wäre mir persönlich zu gross gewesen. Klar, die Skeptiker unter euch denken sich nun sicher «jaja, man kann sich Dinge auch schönreden…», klar, man kann sich alles schön oder richtig reden... Ich weiss aber, dass ich aus einem Gehirn entsprungen bin, dass nur logischen und mathematischen Formen folgen und glauben schenken kann, alles andere ergibt in der Regel auch für mich keinen Sinn oder rechnet sich nicht. Aber manchmal braucht auch das grösste Einstein-Gewölbe eine kleine Abwechslung, begibt sich in ein neues Gebiet, welches fremd zu sein scheint und dann doch irgendeinen Sinn ergibt, auch ohne mathematische Formel.
So habe ich versucht mich aus meinem gewohnten Denken zu lösen und mich auf den Flow der Welt einzulassen. Ob es einen Sinn ergibt oder nicht, ob es am Ende eine Romantische Veranschaulichung ist, um über einen traurigen Verlust hinwegzukommen oder ob ich einfach nur Emotionale Sphären betrete, spielt am Ende keine Rolle. Mir ist gerade wichtig geworden diese Momente zu sehen, sie einzuordnen, in welchen Bereich des Daseins auch immer und für einmal die Formel in meinem Kopf weg zu lassen. So ist es mir gelungen diese beiden Seelen miteinander zu verbinden.

Der Himmel, der einen neuen Stern schreibt und der Stern, der mir die Sternschnuppe zukommen lässt, damit ich an mir und meinen Themen weiterarbeiten kann, Zeit habe, das gelernte anzuwenden und mich weiterentwickeln zu können. Irgendwie auch ohne Formel ein schöner Lebenskreislauf.
Wenn ein Abschied kein Abschied für immer ist, sondern viel mehr eine Chance, ein weiterer Abschnitt, eine Weiterentwicklung, ein Leben, welches die Spuren weitergeht, weiterformt.
Dann ist all das, was wir an Trauer und Verlust verarbeiten nur noch halb so gewichtig, denn wir geben dem ganzen einen Sinn, einen Zustand und treffen eine bewusste Entscheidung. Wir gehen den Weg weiter, wir beenden ihn nicht.
Ich habe zwei Wege an Gedanken, die ich durchleben kann. Zum einen der mir eher bekannte, der Eindeutige. Den ein Zustand beschreibt ein mathematischer Begriff in der Funktionalanalyse. Ein positiver oder Interessanter Raum… oder aber ich gehe der mir eher unbekannte Weg und versuche mich bewusst einer Entscheidung hinzugeben, bei der ich den Ausgang nicht kenne, den ich einfach gehe, bis er endet, um dann wieder zu schauen welcher weitere Weg an die Reihe kommt. So ist die Definition des Lebens immer wieder neu spielbar, es hat also mehr Raum ohne Formel als mit Formel. Eine definierte Formel scheint mich rein «menschlich» betrachtet viel mehr einzuschränken.

Ich versuche mich also in das kleine Wesen reinzuversetzen, der miese Start in ein Leben, welches sie sich wohl anders ausgesucht hätte, der ganze Mut, welcher sie an den Tag legt und sich nicht unterkriegen lässt. Es gibt keine Formel in ihrem Leben und auch kein Wenn und Aber, nur das heute zählt, das hier und jetzt!
Wie bei einem Pokerspiel «All In» und genau diesen Weg bestreite ich nun mit und dank ihr.
Alles auf eine Karte, ob es Sinn ergibt oder nicht, ich habe mich entschieden und wenn die Entscheidung gefällt ist, dann ist der Deal beschlossen.
Snow ist nichts weiter als H2O, ganz passend zu meinem Motto: «Be like water» ob auch das einfach nur reiner Zufall ist? Die Philosophie des Ganzen beruht auf der Formlosigkeit im Leben.
Gib die feste Erwartung auf, wenn Wasser in eine Tasse gefüllt wird, wird das Wasser zur Tasse, wird es in eine Flasche gefüllt, wird es zur Flasche. Kämpfe nicht gegen etwas an, fliess drumherum oder fliesse hindurch. Es ist sanft, kann aber auch kraftvoll sein... Entscheide du dich für deinen Weg. Am Ende ist auch der einzige Augenblick der Moment, nimm ihn an, fühle ihn und lass ihn ziehen, wenn der Zeitpunkt gekommen ist.
Sei wie Snow – freudig, mutig und sanft. Team Snow




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