Snow - The Lucky Punch
- Prisca Santschi

- vor 1 Stunde
- 4 Min. Lesezeit
Nun ist sie da… Ihr erstes Mal ist auch mein erstes Mal. Ich bin nicht vertraut mit Tieren, welche aus einem Tierheim kommen und keinen behutsamen Start ins Leben antreten durften.

Ich habe einiges darüber gelesen, was denn alles passieren wird oder passieren könnte. Welche Situationen auf uns zukommen können und wie wir Vorgehen sollen. In der Theorie scheint es einiges zu geben, was bereits von anderen in Erfahrung gebracht worden ist. Aber wie ist es denn in der Praxis - denn wie so oft, unterscheiden sich die beiden Pole sehr voneinander. In den wenigsten Fällen läuft alles nach Bilderbuch und nachdem die Theorie meistens nach einem roten Faden verläuft, macht die Praxis oft Umwege, welche dann in der Theorie wieder als Ausnahme deklariert werden. Sozusagen, keine Regel ohne Ausnahme!
Die beiden ersten Tage war Snow komplett auf mich fixiert, hat mich nicht aus den Augen gelassen und ist mir auf Schritt und Tritt gefolgt. Ich dachte schon, das ist ja leichter als gedacht. Dann kam der dritte Tag, sie zitterte wie Espenlaub, hat sich ganz klein gemacht und sich in die hinterste Ecke der Wohnung verzogen. Ich habe sie machen lassen, hab ein paar Goodies in der Wohnung verteilt, damit sie auf dem Weg nach „Nirvana“ den ein oder anderen Snack mitnehmen kann... Dann hat sie sich irgendwann auf den Balkon getraut und hat den ganzen Tag ganz hinten in der Ecke verbracht, Sonne getankt und mich gemieden. Gelesen habe ich, dass man Hunde, welche sich zurückziehen einfach machen lassen soll, so werden sie ihren Mut finden und über sich hinauswachsen können. Manchmal, da habe ich aus dem Augenwinkel wahrgenommen, dass sie mich beobachtet, sie lernt, sie registriert und wahrscheinlich macht sich gerade die erste Erschöpfung breit und die Angst kehrt ein, weil sie nicht funktioniert und abspult, was sie die letzten 2 Jahre kennenlernen musste.
Sie legt sich wieder hin, trinkt und verschwindet direkt wieder in der hintersten Ecke. Freut sich wohl einfach darüber, dass ich sie komplett in Ruhe lasse. Ich nehme die Leine in die Hand, sie folgt mir – ob sie das wirklich will, frage ich mich – oder ist das schon ein antrainiertes Verhalten… auf jeden Fall wünsche ich mir, dass sie sich draussen etwas entspannen kann. Sie ist noch mehr gestresst wie eh schon, also verlagere ich das Vorgehen wieder ins Innere. Zurück auf dem Balkon entspannt sich ihre Lage wieder – so verbringen wir den 3ten Tag mehrheitlich getrennt voneinander.
Als ich später mein Abendessen vorbereite, mich auf den Boden setze, kommt sie rein und legt sich auf mich, etwas Nähe, etwas Geborgenheit abholen. Ich lasse sie machen. Einen Augenblick später entfernt sie sich wieder und legt sich auf die Decke vis à vis von mir – der Abend bleibt ruhig. Die letzte Abendrunde ist entspannter und wir können uns genügend Zeit lassen.
Da ich ihr die Nähe, welche sie die letzten beiden Nächte davor gesucht hat, nicht bereits jetzt schon entziehen will, habe ich mich mit einer Faltmatratze zu ihr auf den Boden gelegt (warum, weil ich sie später nicht in meinem Bett haben möchte), neben ihrem Körbchen, sie würde, wenn sie könnte, wohl am liebsten in mich reinkriechen, da kann es nicht genügend Nähe geben. Wir schlafen, sagen wir es so – wie auf einem Roller-Coaster – die Nächte sind gespickt von Stress und Angst. Sie schläft, manchmal tief und fest, zittert plötzlich am ganzen Körper, bellt und irrt umher – da sie nichts hören kann, versuche ich sie mit Nähe zu beruhigen, was mir in den meisten Momenten ziemlich schnell gelingt.
So gehen die Nächte in Teilschritten vorüber. Irgendwann werden diese Albträume ein Ende haben, sie wird Ruhe finden und zur Ruhe kommen. Sie wird die Nächte nicht mehr als Gefahr erleben müssen und unsere Achterbahnfahrten werden wohl eher gemütliche Kaffeefahrten - wir haben Zeit. Ich versuche den Tagen so viel Routine wie irgend möglich zu geben, damit sie sich einfinden kann. Wir gehen morgens früh los, zurzeit immer dieselben Runden, es ist so schon vieles was sie nicht kennt, weder draussen noch drinnen – da ist jedes Blatt und jeder Stein neu, riecht anders, riecht gut, riecht komisch… nach der Routine wieder ihre Angst – Tag 4, also heute – sie liegt nun etwas näher bei mir, aber wieder zitternd und in der Ecke verzogen, sagen wir es so, ihre Ecken werden breiter.
Ich bin unendlich dankbar, dass ich diesen Weg mit der kleinen, wundervollen Seele gehen darf. Ich bin dankbar dafür, dass Nacho mir so vieles mit auf den Weg gegeben hat, wovon Snow heute profitieren darf – viel Geduld, Liebe und Geborgenheit. Ich habe gelernt, dass es nicht wichtig ist, jede Welle zu surfen aber diejenigen, welche wir surfen, mit Genuss. Snow ist eine tapfere kleine Seele, sie hat es verdient ein Leben ohne Angst zu führen. Sie will allen und jedem Gefallen, diese Zeit sollen enden, denn bei uns soll sie in erster Linie nur sich selbst gefallen und weiterhin den Mut haben die Welt zu erkunden, auf sanften Pfoten – mit viel Freude und Übermut. Ich freue mich auf den weiteren Weg mit ihr – und dann freue ich mich auch wieder auf etwas mehr Schlaf 😉.
Mehr von Snow: https://www.instagram.com/aputs.iaq/ und ihrem täglichen Wachstum.
The Gang!















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