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Möwe

Meeresblau und Taufrisch

  • Autorenbild: Prisca Santschi
    Prisca Santschi
  • vor 2 Minuten
  • 5 Min. Lesezeit

Es macht einfach mehr Spass, wenn man das Leben ab und zu mit den Augen eines Hundes sehen kann. Die Spuren des Alltags lösen sich in Luft auf und die Last, welche wir uns als Spezies «Mensch» selbst auferlegen, scheint zu verschwinden, wie Morgentau im Herbst. Es ist, als ob die Sonne die Nebelschwaden umschlingt, die Grashalme sind taufrisch, die Wassertropfen sehen aus wie Perlen, welche wir wie kleine Kinder in jeder Auster finden wollen. Die Rehe & Gämsen haben junge bekommen und scheinen das frische Morgentau auf den noch jungen Grashalmen zu lieben. Sie lassen sich zumindest nicht stören. Der kleine Fuchs, welcher gerade einer Maus hinterherjagt und die Katze, die hinter dem Scheunentor das Erwachen des Tages noch mit verklebten Augen begutachtet – und dann steht da mittendrin die kleine Snow – weiss wie Schnee, so der Name, so ihr Erscheinen. Sie ist sich noch unsicher, welcher der spannenden Situationen, die sich da draussen abspielen, sie folgen soll. Sie setzt sich wie so oft erst einmal hin, hält ihre süsse Nase in die Luft und scheint darin lesen zu können was sich abspielt, oder welche Situation für sie den Weg lohnend machen würde. Ich tendiere zur Katze, da ich sie kenne, hoffe aber, dass sie was anderes sucht, als das «ich hau mich in die Leine Getue» - wir sitzen noch immer, beobachten, geniessen und sind entspannt.


Die Nebelschwaden lösen sich nun komplett auf, es erstrahlt nun alles in purer Klarheit, jedes einzelne Wesen erhält die volle Aufmerksamkeit. Der Himmel erstrahlt im Meeresblau, fehlt nur noch ein Segelschiff, dass unseren Weg kreuzt, ein paar Kokosnüsse und im Wind wehende Palmen. Ich stelle mir vor, wie sich all das in Snows kleinem Kopf abspielt, was sie fühlt, wenn der Wind ihre süsse Nase mit Gerüchen füttert und was sie wohl denkt, wenn sie vor diesem wunderschönen Moment steht und am Ende nicht weiss welchen Weg sie gehen soll – weil einfach alles irgendwie grossartig und spannend ist.


Ja, es macht absolut mehr Spass in ihrem Tempo zu Gehen. Ich sehe viel mehr, fühle viel mehr und habe am Ende erst noch mehr Zeit. Klingt komisch, ist aber so. Es ist doch wie in der Situation, wenn es regnet, sagt die Stimme in meinem Kopf "renne, dann wirst du weniger nass." Vielleicht stimmt diese Theorie sogar, aber ich bin ohne zu rennen entspannter, sehe mehr und fühle mich innerlich nicht gestresst - und Nass werde ich so oder so. Gebe ich dem Moment die Macht schnell zu sein, um trocken zu bleiben – komme ich ausser Puste und bin als Ergebnis nass und genervt. So entscheide ich mich heute lieber für die Variante, wenn schon nass, dann langsam. Und wenn ich schon rausgehe, dann mit offenen Augen, mit offener Nase und mit offenem Geiste.

Klingt alles etwas «Schubiduu» ist aber geprüft und wurde für gut befunden.

Wir waren letzten Sonntag das erste Mal gemeinsam auf einer Wanderung. Ich wollte Snow eine neue Welt eröffnen. Eine Welt die sie in andere Sphären Katapultieren kann, neues, spannendes. Und so war mir klar, wenn wir schon auf eine gemeinsame Entdeckungsreise gehen, dann will ich ihr einen magischen Ort schmackhaft machen, ein Ort, welcher mir viel bedeutet und ein Ort, an dem ich mit Nacho oft gewesen bin – sie liebte ihn – wir liebten ihn. Und so sind wir in die Lenk gefahren, zu den Simmenfällen um hochwandern zu können, zu den 7 Brünnen. Ich war so gespannt darauf wie Snow mit der Wanderung, all den Neuen Eindrücken zurechtkommen wird. Es war mir egal ob wir die Wanderung bis zum Ende schaffen, mir war nur wichtig, dass wir den Weg als gemeinsames Ziel erklimmen können.


  • Adventure Snow
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  • Chillax
    Chillax

Da staunte ich nicht schlecht, wie sie Tempo vorlegte und ich beinahe hoch-joggen konnte. Wir haben es bis zu den 7 Brünnen geschafft, magisch, einfach magisch! Haben uns in die Sonne gesetzt, den Moment genossen, die freilaufenden Kühe begrüsst und Steine aus dem Bergbach gefischt. Manchmal, nur manchmal sind ihre blauen Augen etwas müder geworden, aber sie war zu aufgeregt, als dass sie sich schlafen legte (was sie ja bestens kann, egal wo sie ist – entspannt ist sie, durch und durch). Als wir uns auf den Rückweg machten, sind wir etwas langsamer und gemächlicher runtergewandert, schonender Wandergang würde ich das Nennen, sie hat bis zuletzt durchgehalten. Proud!


Der Tag danach...

Im Auto hat sie die komplette Fahrt hindurch geschlafen, geschnarcht und sich in eine Welt katapultiert, in der sie dem erlebten, Raum geben konnte.


Wir haben uns dann noch einen kleinen Umweg an der Aare gegönnt, Eis gegessen und uns die Sonne auf den Pelz scheinen lassen, was für ein rundum gelungener Tag. Ich freue mich sehr, dass sie einen offenen und positiven Geist hat – sie trägt ihr kleines Herz auf dem rechten Fleck…



Und da ist es halt doch, dieses Wolkenbehangene Thema – ihr Herz! Bevor Snow bei uns eingezogen ist, hatte sie (wie bekannt) nicht den besten Start ins Leben. Uns war bewusst, dass es nicht nur leicht werden könnte, ihre Seele soll heilen und dafür hat sie alle Zeit der Welt. Dass sie so schnell in die grosse, weite Welt hinausmarschiert und der Geist offen für jeden Spass ist, davon sind wir nicht ausgegangen. Es hat sich so positiv entwickelt.


Bei der Übernahme aus dem Tierheim wurde uns mitgeteilt, dass man einen Herzwurm-Test durchgeführt hatte, welcher positiv ist. Ja, kommt durchaus vor in diesen Ländern und hat seine Schattenseiten, wenn man es nicht behandelt. Ob die damaligen Betreuer aus Bulgarien was dagegen unternommen haben, weiss ich leider nicht. Der Termin einen erneuten Test durchführen zu lassen steht nun an, es braucht alles seine Zeit, um ausschliessen zu können, dass er noch da ist – dieser Parasit – oder ob er bereits vollständig weg ist (wie Schachspielen mit jedem möglichen Ausgang) da wir nur einiges an Infos haben, bleibt nichts anderes übrig als abwarten und hoffen. Sollte er noch da sein, oder sollten sie sich bereits vermehrt haben, werden Therapien notwendig sein, nicht nur schön, aber laut Aussagen der Tierärzte – Heilbar!


Wir sind positiv, denn egal welchen Weg wir gehen müssen, wir haben uns damals für jeden dieser Wege entschieden. Snow macht sich nichts draus, sie sitzt noch immer vor mir im Gras, beobachtet die Geschehnisse, welche um sie herum passieren, hält ihre Nase in die Luft und entscheidet im Moment, im Gefühl und wohl manchmal auch einfach so…


Ich geniesse die andere Art zu sein, ich geniesse die Wege, die Momente und das Leben, welches sich um mich herum abspielt, ob ich nun Daneben stehe oder mittendrin, es wird so oder so eines Tages auch ohne mich weitergehen, das Leben, die Momente, der Wind, die Sonne, der Regen… also jetzt, hier und heute. Das kleine Herz wird heilen und unsere Seelen sich verbinden, dann, wenn der Moment dazu gekommen ist…


Nein, nein – ich bin nicht vom Inhalt oder vom Weg abgekommen, es ist nur so, dass während dem Schreiben das Bewusstsein zu wachsen scheint, so als ob der Geist klarer, schärfer wird und ich mir keine Gedanken mehr darüber machen muss was geschrieben wird, es wir richtig sein 😉


Ihr wisst ja, ich lese nicht, was ich schreibe, nochmal, es steht geschrieben, wird gespeichert, mit Fotos versehen und veröffentlicht – in der weite der Clouds.


Happy Snow, happy me

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