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Möwe

Gwundernase

  • Autorenbild: Prisca Santschi
    Prisca Santschi
  • vor 2 Minuten
  • 6 Min. Lesezeit

Ich kann nicht in Worte fassen, was die kleine Sternschnuppe sich die vergangenen 10 Tage an Mut angesammelt hat. Sie erweitert täglich ihren eigenen Radius, ihr „Gwunder“ treibt sie an, es muss alles ausprobiert werden, jeder Grashalm der höher ragt als der Standard könnte was Interessantes sein. Blätter, welche der Wind tanzen lässt, müssen eigefangen werden. Katzen mag sie nicht, sie findet sie einfach „nervig“, da kann ich als Vegetarierin sogar eine echte Wurst vor ihren Schnuff halten, es interessiert sie genau Null-Komma-Nicht! Als wir das erste Mal zusammen an den See gefahren sind, um sie an das Leben auf dem Wasser zu gewöhnen, habe ich die Rechnung ohne ihre Neugier gemacht und Zack – klein Snow tauchte einmal direkt unter!

  • Abenteuer Wasser
  • Snow und die Erfahrung
  • Landunter
  • Klatschnass

Also auf Anfang, Schwimmweste rauf, Hund an die lange Leine – und ich hatte die Chance das SUP mit Luft zu füllen. Klatschnass und etwas durcheinander hat sie dem Ganzen nicht ganz getraut und wollte erst einmal von Wasser gar nichts mehr wissen. Ihre Neugier hat sie aber angetrieben, sie hat all ihren Mut zusammengefasst und ist freiwillig auf das SUP gestiegen (wohlbemerkt, es stand noch auf dem Rasen), ich freudig hüpfend um sie rum – wie ein Indianer um das Feuer, damit der Regen einsetzt – ein Bild für Götter…


Snow auf dem SUP

Wir sind dann in seichtem Gewässer rumgepaddelt, Snow ganz der Profi, als hätte sie nie was anderes getan. Die Balance zu halten ist alles andere wie einfach! Wieder zurück am Strand wollte sie gar nicht mehr runter vom SUP.


Ich habe mich eine Weile zu ihr gesetzt, wir haben zusammen den Enten zugesehen und ausgehalten, dass es keine Priorität ist auf unserer Liste, Enten oder sonstiges zu Jagen. Sie hat sich nach einer Weile hingelegt und ist in sich und mit sich zur Ruhe gekommen.


Die zweite SUP-Session war wie im Bilderbuch. Enten konnte man von der Ferne beobachten, die Tiefe des Wassers lernte man ja bereits kennen und sie steigt mittlerweile selbst aufs SUP, ohne Druck und voller Freude, ganz vorne mit dabei.


Ich bin stolz auf die kleine Sternschnuppe, sie lässt Neues, Unbekanntes zu, vertraut dem Prozess und lässt sich darauf ein.


Der Balkon hat sie in Beschlag genommen, ihr Revier, ihre Ansagen, wir arbeiten daran, dass nicht jeder der Vorbeigeht direkt eine Standpauke abbekommt. Einem Tauben Hund aus der Küche zuzurufen „lass das!“ bringt in diesem Fall gar nichts. Ich muss also mein Daniel-Düsentrieb-Gehirn ankurbeln und an möglichen Erfindungen arbeiten, wie gebe ich auf Distanz Signale ab, die direkt Wirkung zeigen und nicht wie die alte Fasnacht hinterherhinken. Heute musste ich nichts "erfinden" lediglich in meinen Hirnwindungen nach Antworten suchen, denn früher dachte ich „der Hund muss, was und wie und wo ich will".


Heute ist es eher so: "Wie gestalte ich mir mit Hund ein möglichst Stressfreies leben". So wurde der Balkon erst einmal mit Bambus eingerahmt, etwas mehr Sichtschutz - sieht schick aus – einige Pflanzen sind neu dazugekommen und die Wasserspritzpistole hilft auch aus der Küche. Ich habe Stress aus der Sache genommen, indem ich mir zum einen die Sprints aus der Wohnung spare, sie nicht mehr direkt ansprechen/ansehen muss, Wasser im Sommer keinem schadet und sie lernt, das es Dinge gibt, die nicht notwendig sind. Es ist meine Aufgabe sie zu motivieren Dinge zu tun die ihrem Herzen helfen, sie kann und darf lernen sich fallen zu lassen, es ist neu meine Aufgabe ihr kostbares Leben zu schützen vor Dingen, die ihr schaden könnten. Loslassen ist keine leichte Aufgabe mit ihrem Rucksack - wir wachsen mit jedem Tag mehr zusammen als Team.


Leine laufen ist unser Morgen-/Abendspaziergangritual – sich aufeinander konzentrieren, aufeinander achten, nicht einfach „hü, hopp, nach mir die Sintflut“. Achtsam sein, aufmerksam sein. Vollgepackt mit Wienerli stampfen wir zusammen los, sie wird für jeden Augenkontakt belohnt, für jedes nicht an der Leine rupfen, für jeden Moment den sie sich an mich wendet. Sie darf mich gerne als ihren persönlichen Wienerli-Kiosk sehen, denn jeder gemeinsame Kontakt verbindet, gibt ihr Sicherheit, all das soll am Ende dazu führen, dass sich ankommen bei ihr einstellt – dann sind wir ein Team!


  • Abenteuerspaziergang
  • Waldliebe
  • Gwundernase

Wir besuchen gemeinsam die Hundeschule, spannend was es da alles gibt. Andere Hunde sind cool, mag sie, lässt sie meist nach einem kurzen beschnuppern links liegen und ist viel mehr an der Umgebung interessiert.

Gerüche, Bewegungen, Beobachtungen.


Snow, die kleine Schlafmütze

Allein zu Hause sein, nach einem ausgedehnten gemeinsamen Spaziergang, kein Problem für Snow, sie freut sich auf das Goodie bevor ich gehe und zieht sich dann meistens in ihr Körbchen zurück, schläft und ist entspannt.


Die Nächte pennt sie durch, ihre Panikattacken haben nachgelassen, sie wird ruhiger. Abends schauen wir manchmal zusammen fern, sie ganz eng an mich gekuschelt und nach der letzten Runde draussen, schnappt sie sich ihr Goodie und direkt in ihr Bett, meldet sich für den Tag ab, die Routinen geben ihr Sicherheit.


Und da war dann noch dieser Bienen-/Wespen Moment, der uns beide etwas in Panik versetzt hat. So à la, lass uns noch mal ne kleine Runde am Wasser drehen, bevor wir es uns dann zu Hause gemütlich machen.




Sie wollte über eine Wiese gehen, ich folgte ihr, will ja, dass sie ihren Instinkten nachgeht und versucht einzuordnen was dort so Spannendes sein könnte. Sie schaut mich nach einer Weile an und ich stelle fest, dass sie den Kopf voller Ameisen hat, ich will sie von ihnen befreien und sehe, dass sie ihre hintere Pfote nicht mehr belastete, am ganzen Körper zittert und mich panisch anstarrt. Ich denke „Shit, hoffentlich nicht die Bandscheibe oder das Knie…“ das Erste, was man bei einer Französischen Bulldogge denkt, ich hatte das Handy natürlich nicht dabei! Sie zittert immer mehr, ich kann sie aber am Rücken und Knie anfassen ohne Probleme, schaue mir ihre Pfote an und sehe, wie sehr die bereits angeschwollen ist. Ok das muss ne Biene oder Wespe gewesen sein, ich denke mir nur "hoffentlich ist sie nicht Allergisch"! Hund unter den Arm, direkt nach Hause, Tierarzt anrufen, Pfote kühlen… Das Zittern nimmt zu, die Pfote schwillt mehr und mehr an, so war klar – ab in den Notfall. Das gespritzte Gegenmittel hat dann zum Glück direkt geholfen und die vielen Streicheleinheiten und leckeren Goodies der Tierärzte hat ihr den Rest gegeben.


Die Nacht war ruhig, der nächste Tag wieder freudig und voller Tatendrang. Heute tragen wir beide Antihistamin mit uns rum, wie das Hundchen so das Frauchen oder das Frauchen so das Hundchen. Wir gleichen uns an.

Running forward - Hope and wonder - Laugh and fall…

Es ist wundervoll sie wachsen zu sehen, es motiviert mich in meinem eigenen Sein. Schlechte Prägungen, schmerzhafte Erinnerungen sind nicht da, um ihnen ein Leben lang Einlass zu gewähren. Sie sind viel mehr der Prozess, die Entscheidung zu mir, zum Moment, zum Leben. Ich habe diese Chance auf das Leben, in diesem Leben habe ich die Gabe die Sichtweise zu verändern, es mag sein, dass es kein einfacher Move ist, eine Veränderung ansteuern zu wollen. Es liegt immer an sich selbst, wie ich mit Situationen, einem Gefühl umgehen will. Soll ich die anderen Verantwortlich machen für mein Leid, oder mache ich mich selbst dafür verantwortlich?!


Sind Richtungswechsel nicht auch dazu da mutig sein zu dürfen. Wir leben nur einmal, jeder Moment kommt nicht wieder, ausser ich gebe dem Moment die Wiederholung, dann aber ist es meine eigene Entscheidung. Das Glas ist halbvoll oder halbleer. Ich war nicht immer der, dass Glas ist halbvoll Typ, heute aber bin ich es aus Überzeugung, denn ich lasse und werde – so lange ich will – nicht so lange der andere oder das andere es tut.


Mir hat damals Nacho gelehrt, dass Momente lebendiger sind, wenn sie von heute leben! Es ist also immer jetzt, es ist nicht gestern oder morgen, es ist jetzt! Snow zieht diese Geschichte weiter, ihr Rucksack sollte sie ja eigentlich lähmen, aber sie lässt es nicht zu und entscheidet sich jeden Tag aufs Neue für den Moment, das jetzt, das Leben!


Ich kann stolzer nicht sein, Teil dieses Movement sein zu dürfen. Es ist nie das Ende, es ist immer Jetzt. Was für eine schöne Geschichte, was für ein Wunder, was für eine Begegnung mit der kleinen süssen Schneeflocke, welche als Sternschnuppe die Geschichte von Nacho weitertragen darf! Ich sie annehme, als Teil einer Geschichte, dieser Geschichte, dieser Entscheidung – der meinen – jeden Tag, Neu – Jetzt!


Ich bin definitiv Team Snow, nicht immer wie Wasser, aber durchaus lernwillig und voller Zuversicht dahin zu kommen, wo die kleine heute bereits steht.


Bleibt im Moment… The Lucky Punch

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