Leistung liegt im Tun!
- Prisca Santschi
- vor 4 Minuten
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Leistung bedeutet nicht nur, immer besser zu werden, Leistung bedeutet auch sich einer Sache hinzugeben, die einem erfüllt.
Als Kind lernt man schneller, es fällt einem leichter, etwas Neues zu erlernen, sich einer Sache auszuprobieren, weil die Gefahr noch nicht im Gedankenzentrum verankert ist. Man tut es einfach, man lebt im Moment, denn nur dieser ist relevant für den Kopf des Kindes und das Tun bei der Sache. Mit dem Alter nimmt das Wissen zu, weil man einiges schon mehrmals umgesetzt hat, man könnte also meinen es wird leichter. Das ist aber nicht in jedem Fall so – wo aber macht der Kopf, die Erinnerung, den Unterschied…!?
Nehmen wir als Beispiel die Berufswahl, einen Stellenwechsel… Es wird in meistens eine gewisse Anzahl Jahre vorausgesetzt. Das heisst, ich brauche Erfahrung, Alter und Wissen, um mich bewerben zu können. Nicht zu jung, nicht zu alt – gerade „mittig“. Mein Kopf ist mein Rechenzentrum. Ich sammle mit dem Alter vieles an Erfahrungen, lerne und setze im besten Fall einiges davon um. Will ich aber im Alter eine neue Sportart erlenen, macht mir mein Kopf oftmals ein Strich durch die Rechnung.
Ich bin immer wieder fasziniert von meinen eigenen Gedanken, vom Erfahrungswert. Denn wenn ich eines verstanden habe, dann sind es die Gedanken, die einem sagen was in welcher Situation, welche Vorteile hat. Es birgt einen Anteil Gefahr, weil ich mich der Gefahr meiner Gedanken hingebe. Es ist nicht so, dass mir etwas Neues im Alter mehr Mühe bereitet, es ist der Gedanke, der mich daran hindern könnte, es tun zu wollen.
Als Kind höre ich diese Stimmen im Kopf auch immer wieder, kann die aber – weil die Erfahrung in der Sache fehlt – noch nicht ein-/ oder zuordnen – heisst also ich bin viel mehr der Macher und höre nicht zu.
Nicht zuhören liegt in der Natur der Sache, ich muss also gezwungener Masen in einem gewissen Alter Erfahrungen sammeln, um mir dann am Ende selbst im Weg stehen zu können. Nun könnte ich dieses Gedankenspiel weiterspinnen und mir würden bestimmt einige, weitere Situationen einfallen – aber ich wollte zurück zum Gedanken „Leistung“.
Eine Leistung benötigt ein Tun, kein Tun wollen.
Es beinhaltet aber auch abwägen zu können, ob es für den Körper noch geht oder nicht. Als Kind brauchen wir die Erfahrung und Unterstützung einer Erwachsenen Person, um sich weiterentwickeln zu können, aber auch um darauf achtzugeben, was der Körper benötigt um der geforderten Leistung stand halten zu können. Ich war ein unglaublich aktives Kind, es war alles cool, was sich mit Bewegung in Einklang bringen konnte. Meine Leistung wurde einfach erbracht, ich habe nicht darüber nachgedacht, ob ich dort und da anders trainieren musste, ich war so oder so immer in Bewegung. Es sind dann am Ende die Erwachsenen, die den Weg so bahnen damit sowas wie ein roter Faden entstehen kann. Man gewöhnt sich an Wiederholungen oder Rituale, ohne sie zu hinterfragen und wächst mit sich und der erbrachten Leistung.
Ich lerne also, dass Tun nicht der Gedanke zum Tun fordert, sondern das Tun selbst der Gedanke fordert. Mein Körper braucht einen gewissen Ablauf, eine gewisse Routine, um in die Ruhe zu kommen. Ich werde besser, weil ich tue, was ich liebe.

Als Kind bin ich der Macher, als Erwachsener setze ich das gelernte gezielter um und werde in kürzerer Zeit besser – weil ich das erlernte Werkzeug einzusetzen weiss. Ich lerne also, während der Phase meines Wachsens, dass es Werkzeuge gibt, welche ich in Situationen anwenden kann, welche mich möglicherweise auf halber Strecke näher ans Ziel bringen.
Die Erfahrung in der Sache wächst, und dann, dann schweift der Kopf plötzlich ab, er überlegt sich das Optimieren der Strecke. Denn wenn ich mit dem einen Werkzeug nur noch die halbe Strecke zur persönlichen Bestleistung benötige, so kann ich mit einem anderen Werkzeug vielleicht in noch kürzerer Zeit, noch besser werden. Ich bin Erwachsen geworden, denn genau an der Stelle wo ich früher einfach rausgegangen bin, um mich zu bewegen, also ins Tun gekommen bin, tüftle ich heute als Erwachsene Person an Werkzeugen rum, die mich besser machen sollen, mich am Ende aber am Tun hindern. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es immer das Tun in der aktiven Umsetzung braucht. Denke ich zu viel nach, hindert es mich an der Umsetzung und die Gefahr es nie wieder zu tun ist allgegenwärtig. Denke ich zu wenig nach, kann es sein, dass ich nicht weiterkomme, weil ich im Stillstand gefangen bin.
Als ich in meiner aktivsten Zeit die Spitze des Erfolges hätte erreichen können, haben meine Eltern meinen damaligen Weg entschieden, als Kind hatte ich das zu tun, was andere für mich als das Beste gesehen haben. Die Berufswahl wie auch die finanziellen Möglichkeiten hatten Grenzen erreicht und ich musste mich für einen Moment von dem verabschieden, was ich als Kind am liebsten getan hatte – mich bewegen. Wie unfair, wie hässlich, wie gemein! Mein Verständnis meinen Eltern gegenüber war damals nicht wirklich gegeben – ich habe meine kleine Welt versinken gesehen und war einfach nur traurig darüber. Da hat mir die Erfahrung gefehlt um solche Entscheidungen oder Richtungsänderungen einordnen, verstehen und annehmen zu können.
Ich war weiterhin ein sehr aktiver Mensch, brauchte die Bewegung, um mit meinen heranwachsenden Gedanken klarzukommen. Der Sport war mein zu Hause und ich habe neben allen anderen Aktivitäten auch immer Sport auf höchstem Niveau bezwungen. Da kamen die einen und anderen kleineren und grösseren Sportunfälle dazu, aber nichts hat mich davon abgehalten aktiv zu bleiben.
Dann… ja dann stand die Welt plötzlich einfach still.
Während eines Fussball-Meisterschaftsspiels bin ich aus dem nichts zusammengebrochen, meine Beine schienen Taub und ich konnte mich aus eigener Kraft kaum noch aufsetzen. Es dauerte eine Weile bis es etwas besserte. Ich habe mich nach Hause geschleppt und mich schlafen gelegt. Hat man denn nicht als Kind immer zu hören bekommen „Schlafen hilft, dann sieht die Welt morgen gleich schon wieder viel besser aus…“Dies traf leider für die bevorstehenden 10 Jahre nicht zu. Hätte ich gewusst, wie lange der mir bevorstehende Weg dauert, hätte ich aufgegeben. Die jahrelange aktive, leistungsorientierte Zeit hat mich gelehrt, dass Tun die Antwort auf alles ist.
Ich musste was tun, konnte nicht einfach nur rumliegen. So schleppte ich mich Jahrelang von Arzt zu Arzt, habe hochdosiert Schmerzmittel eingenommen, habe mich immer wieder mit Tauben Beinen und grauenvollen Rückenschmerzen rumgeschlagen. Physiotherapiesitzungen füllten meinen Kalender, Infiltrationen und 2-monatige Krankenhausaufenthalte, Rollstühle, welche mir ab und zu Erleichterungen gaben, da Gehen einfach nur noch unmöglich gewesen ist… all das hat meinen Alltag bestimmt. Das schlimmste, kein Arzt auf dieser Welt, hat was gefunden. Man meinte irgendwann sogar, es sei alles in meiner Psyche, also alles meine Gedanken. Die Schmerzen eine Einbildung… Ne ist klar, alles nur eine Laune der Natur, weil die Medizin nach all den Jahren nichts finden konnte.
Da lag ich also, in diesem Krankenbett und sah mein Leben an mir vorbeirauschen… wie konnte das sein, ich als aktives Kind, als motivierter Mensch, welcher doch einfach nur draussen sein wollte, in der Bewegung, um den Gedanken keinen oder nur wenig Spielraum einzuräumen, liege nun da… am Ende! Ich habe in diesem Moment sogar die Entscheidung meiner Eltern, den Weg als Sportlerin nicht weiter zu verfolgen, als Glück betrachtet. Im Rollstuhl, seit 2zwei Monaten im Krankenhaus und keinerlei Befunde.
Als sich mir eines Tages, unabhängig voneinander, zwei mir nahestehende Menschen einen Befund mitteilten, welche sie bei längerer Recherche im Internet gefunden hatten, haben wir den zuständigen Arzt mit den Vermutungen konfrontiert. Er hat anschliessend gezielte Untersuchungen eingeleitet und siehe da, der Befund bestätigte sich: Morbus Bechterew! Erleichterung machte sich breit, nicht weil ich was hatte, womit ich mich nun auseinandersetzen musste, sondern viel mehr, weil ich was hatte, was meine Gedanken entlasteten.
Leistung liegt im Tun!
Die Anpassung meines Lebens an Medikamente, die Umstellung meines Lebens in meinem Kopf war kein leichtes. Dank meiner aktiven Zeit habe ich gelernt, dass Stillstand meinen persönlichen Tod bedeuten würde. Stillstand bedeutet, dass ich meinen Gedanken die Macht gebe mich lahm zu legen. Es war noch nicht viel Material in diesem Thema vorhanden und ich konnte von Glück reden, dass man diese Krankheit in meinem Blut nachweisen konnte, so wurde zumindest die Wahl der Medikamente etwas leichter.
Besser werden bedeutet, sich nicht unterkriegen zu lassen. Man hatte mir in all den Jahren des nicht Wissens so oft das Gefühl von „Simulant“ gegeben, dass mich der Moment hätte brechen können. Ich habe mich nicht in die Irre führen lassen, die Leistung hat mich zu dem geformt, was ich mir selbst beigebracht hatte: der Wille nicht aufzugeben, koste es was es wolle. Es hilft, nicht zu wissen, was einem im Leben noch bevorsteht, welche Hürden man noch zu überwinden hat, der Wachstum beginnt im Gehen, nicht im Liegen.
„Tun ist wie Wollen – nur Krasser“, solche Sprüche helfen den Hirnwindungen ungemein.
Ich habe durch meine kurze, aber steile Sportlerkarriere eines gelernt, es ist alles möglich, wenn man selbst daran glaubt und das Ziel des Glaubens verfolgt. Mir wurde nach der gestellten Diagnose, den Medikamenteneinstellungen und der Bewegungsumstellung bewusst, dass ich meine Sportlerkarriere nicht an den Nagel hängen muss, aber der Fokus viel mehr auf mich und meine Gesundheit richten sollte. So ist es nicht mehr die Gold-Medaille, die ich mir am Ende eines Wettkampfes um den Hals hängen kann, die mich antreiben, heute sind es die Tage, die einzelnen Momente, die zählen, möglichst lange in der Bewegung zu bleiben, um dem Schmerz entgegenzuwirken.

Mit dieser Erkrankung ist es so, als würde sich der Bewegungsapparat zurückentwickeln wollen. Es ist eine Mumienartige Gestalt, die in mir drin heranwächst. Stehst du an einem Tag still, so leidest du direkt am anderen Tag doppelt so stark. Dein Körper kommt mit Stillstand nicht mehr klar, er erstarrt zur Mumie. Die stetige Entzündung in deinem Körper, fühlt sich an wie Säure.
Stehst du still, leidest du. Ein leichtes, für einen aktiven Menschen wie ich es bin. Hauptsache Bewegung und der Schmerz hält sich zurück. Das ist ein Trugschluss – auch diesen Moment musste ich erst fühlen, um ihn lernen und verstehen zu können. Es ist nicht das Tun welches die Leistung besser macht, es ist die Balance, welche das ganze sicherer und gesünder macht. Machst du zu viel, leidest du, machst du zu wenig, leidest du…
Wer meine Blogs mitverfolgt, kennt die Geschichten und Gefahren hinter all den Medikamenten. Kurz gesagt, es lindert zwar etwas die Schmerzen, indem es das Immunsystem runterfährt. Das Immunsystem wiederum hat die Kraft sich gegen Grippeähnliche Symptome zur Wehr zu setzen nicht mehr und es tauchen neue Gefahren auf.
Da war diese schwere Lungenentzündung, welche mich auf die Intensivstation befördert hat, knapp am Tod vorbei: Wenn der Himmel dich wieder ausspuckt
Sich nicht beirren lassen von Rückschlägen, daraus zu lernen, um die Leistung zu steigern, damit man gesund bleibt. Dann aber zu merken, dass die Leistung nichts bringt, wenn du am End den falschen Schalter drückst. Es ist die Balance, die das gesunde Tun in der Leistung fördert. Damit nicht genug. Wenn die Lunge vernarbt, so bleibt die Leistung auf der Strecke. Wenn die Leistung auf der Strecke bleibt, wird der Wachstum der Krankheit schneller, wenn die Krankheit schneller wird, dann stehst du als Hauptrolle bei der nächsten „The Mummy“ Verfilmung ganz bestimmt auf Platz 1.
Es ist ein Teufelskreis! So könnte man meinen. Durch mehrere Schmerztherapiesitzungen und Versuchskaninchen-Daseins dann die Verpflanzung des Stromgenerators – ihr kennt die Geschichte(n): Donald Duck, die Reise zum BOT oder Der BOT der durch meine Nervenbahnen fliesst! Es ist nicht das Ende, solange der persönliche Ehrgeiz, die Idee, dass es nicht das Ende ist, vorhanden und stark genug ist.
Und um den einleitenden Gedanken wieder aufzunehmen: "Leistung bedeutet nicht nur, immer besser zu werden, Leistung bedeutet auch sich einer Sache hinzugeben, die einem erfüllt.“
So weiss ich heute, dass diese eine Leistung, nichts mit besser werden wollen zu tun hat, sondern diese Leistung kann ich nur dann abrufen, wenn ich den Willen dazu habe, an das, was ich tue zu Glauben, mich nicht von dem Weg abzubringen – wenn die eine Hürde etwas höher ausfällt als die, die ich mir gewohnt bin. Ich bin nicht diese berühmte Leistungssportlerin geworden, von der ich als Kind geträumt habe, da hatte jemand andere Pläne mit mir. Ich habe meinen Weg dennoch in der Leistung gefunden, indem ich jeden Tag das nötige Tun erbringe, weil ich als Kind dem Sport mein Leben gewidmet habe. So würde ich heute nicht hier stehen, wo ich stehe, hätte ich mich von der einen Hürde, die mich zu Fall gebracht hat, irritieren lassen…
Lasst euch nicht von euren eigenen Gedanken fehlleiten und schon gar nicht von anderen Menschen. Mach den Wettkampf mit dir selbst aus, nur dann wirst du am Ende wissen, wie es sich angefühlt hat einen Umweg zu nehmen.
Ich schmunzle etwas vor mich hin… denn eigentlich wollte ich keine Leistungsorientierte-chronisch-verifizierte-Blog-Geschichte niederschreiben. Ich wurde vom Gedanken angeleitet und vom Buchstaben-Suppen-Geschehen zu einem Ende gebracht. Die Buchstaben gehen mir aus, die Gedanken wandern schon wieder weiter und wer weiss, welche Themen sich als nächstes in meinen Hirnwindungen niederlassen, es bleibt zumindest für heute etwas ruhiger in meiner Hirnschale.
Wie gehst du mit Leistung um? Lebst du den Moment oder tust du nur so? Bist du verbissen in der Sache etwas umsetzen zu wollen, weil es ein Ziel verfolgt? Ist es dein Ziel und deine innere Ruhe, welche dich antreibt? Oder leistest du im Tun, was andere fordern…
Ob Gold, Silber oder Bronze, es ist egal welchen Weg wir gehen, solange dieser Weg ein bewusster Weg ist und im Tun endet.
me and The Mummy 2026
