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  • Prisca Santschi

Der BOT der durch meine Nervenbahnen fliesst!

Aktualisiert: 11. Jan.

0 = OFF / 1 = ON


Als ich mich vor Jahren für eine Internet-Karriere entschieden habe, war mir nicht bewusst, dass eines Tages tatsächlich eine Art Bot aus mir wird. Ich stecke gerade inmitten einer Transformation fest, es ist nicht nur Blut, welches durch meine Adern fliesst. Strom, welche meine Nervenbahnen umschiffen, um diesen über das Rückenmark dem Gehirn «falsche» Signale zu senden, damit mein Schmerz überstimmt wird – aus 1 wird wieder eine 0.

Krasse scheisse…

Aber beginnen wir von vorne. Vor etwas mehr als einem Jahr hatte ich diese schreckliche Lungenentzündung, welche viel zu lange unentdeckt geblieben ist und mehr Schaden als angenommen angerichtet hat. Als ich zum 2ten Mal in meinem Leben das Licht der Welt erblickte, wollte ich nicht nur mein Leben bewusster leben, sondern wollte meinem Körper genügend Zeit geben, um sich von den Strapazen erholen zu können.


Ein Jahr mit intensiven Physiotherapien, Lungentrainings und Schmerzmitteln wollte aber irgendwie nichts mehr richtig, der grossflächige Nervenschmerz war stärker denn je, mein Körper sackte jedes Mal in sich zusammen, wenn ich tief einatmen wollte. Da ich mir Schmerzen gewohnt bin dachte ich, «ach komm, mit der Zeit gewöhnst du dich dann schon an diesen stechenden Schmerz» die Ärzte aber sind mir da reingerutscht und meinten, dass tiefes Einatmen wichtig sei für die Lunge, welche sich an Volumen gewöhnt und zum anderen um einer erneuten Lungenentzündung entgegenwirken zu können…

…häääääää?! Wie, warum das denn…

Eigentlich ganz einfach, atme ich nicht tief genug ein, können sich Parasiten ansammeln, diese plöiderlen dann vor sich hin und erfreuen sich ihres Lebens, wenn sie sich vermehren können – Ergo – zack, Fieber, Husten, Unwohlsein und wenn möglich wieder eine erneute Hausbesetzung in meinem Innern, welche sich durch eine Lungenentzündung breit macht.


Durch meinen schweren Verlauf sind Lungen- / und Rippenfell miteinander verwachsen und konnten sich nicht mehr vollständig erholen. Es bleibt also Narbengewebe zurück, welches beim Atmen grosse Schmerzen verursacht, da sich die Nerven bei jedem Atemzug durch das Narbengewebe durchstossen und so entsteht der Schmerz – ein Teufelskreis welcher sich nicht durch Schmerzmittel und/oder Therapien ausschalten lässt.


Nach mehreren Sitzungen in der Schmerzklinik und ein paar Möglichkeiten später wurde ich an die Neurologen weitergeleitet und hier beginnt sie also, meine Transformation zum BOT. Über eine Rückenmarkstimulation, welche aus zwei Komponenten besteht: Neurostimulator und Elektroden, der Neurostimulator erzeugt programmierte elektrische Impulse, dieser ist unter der Haut mit Elektroden verbunden welcher Strom über das Rückenmark leitet und so zu einer Schmerzreduktion führt.


Nun gut, klingt in der Theorie alles ziemlich logisch und sinnvoll, wenn da nicht der Gedanke an die Praxis wäre. Ich bin nicht drum herumgekommen und heute um eine Praxiserfahrung (Testlauf) reicher. Die Elektroden wurden mir unter die Haut verpflanzt (bei den Rippen), diese wurden dann mit dem Neurostimulator welcher auf meiner Haut festgeklebt wurde verbunden. Anschliessend habe ich mich mit dem externen Gerät, welches mir in die Hand gedrückt wurde, verbunden, ich wurde freundlich mit einem «Guten Tag Prisca Natascha» begrüsst – auf dem Gerät befanden sich 3 Buttons, welche unterschiedliche Hintergründe haben und auch individuell ansteuerbar sind.

Button 1 ist mit Elektrode 1 verbunden, Button 2 mit Elektrode 2 und Button 3 verbindet grossräumig Button 1 und 2 miteinander. Ich stelle also die Stärke des fliessenden Stromes für die beiden ersten Buttons ein, ein Kribbeln (als würden 100000 Ameisen durch meine Nervenbahnen spazieren) stellt sich ein, etwas höher, etwas niedriger – ein stetiges Ausprobieren. Button 3 soll also das gesamte Feld zwischen Elektrode 1 und Elektrode 2 abdecken, damit ein grösserer Raum unter Storm steht, auch dieser kann individuell eingestellt werden. Die Testphase dauerte 4 Tage, eine Erleichterung machte sich bemerkbar als ich ziemlich schnell gemerkt habe, dass das Einatmen wieder mit viel weniger grossen Schmerzen stattfinden konnte.


Dennoch ist die Theorie noch immer eine Theorie und die Praxis ist seltsam. In der Testphase musste ich besonders Acht geben, weil die Drähte der Elektroden aus der Haut gelangten und so die Infektionsgefahren höher sind, als wenn das Teil dann komplett unter meiner Haut verschwinden wird.


Da stehe ich nun, für einen kurzen Moment wieder als Mensch, ohne Elektroden und Neurostimulator. Die Stromschwellen haben meinen Körper wieder verlassen, die Wunden können heilen, bevor die endgültige Transformation stattfindet.


Denke ich als IT-Spezialist über diese Veränderung nach, dann bin ich einfach nur begeistert, ich freue mich Teil dieses perfekten Binärums zu werden, diese Kombination halb Mensch, halb Roboter sein zu können und 0 und 1 wort-wörtlich nehmen zu dürfen – welch Glücksgefühl.


Denke ich aber als Mensch, der einfach nur aus Haut und Knochen besteht, ein wenig Hirnmasse züchtet, um beim Gehen nicht umzufallen, dann hat das ganze schon etwas Schummriges. Durch meinen Körper wird ein Leben lang Storm fliessen, welchen ich mit einem externen Gerät einstellen kann. Verliere ich das Teil, kann jeder Finder damit machen, was er will, und mein Dasein wird ferngesteuert… es lindert Schmerzen, die Neuronen aber werden aktiver denn je, denn Angst leitet neue Schmerzen. So wird sich der Kreis der Schmerzen am Ende wieder öffnen und gleichzeitig schliessen. Endet das eine, so beginnt das andere – wünscht mir Glück.


Ich habe in den letzten 20 Jahren unzählige Codierungszeilen geschrieben, Analysen getätigt und mich auf Zahlen fokussiert, welche immer eine Logische Reihenfolge hatten. Dass ich nun Teil dieser Existenz werde, darüber habe ich niemals nie nachgedacht, es fühlt sich wie ein wahrgewordener Rosamunde-Pilcher-Horror-Movie an. Meine Transformation im Jahr 2023 wird also die Form der Übertragung der DNA-Zelle verändern – was ist deine Superkraft?!


Ob ich nun als BOT durchs Leben gehe oder weiterhin Gedanken in Menschliche Sphären lostrete ändert nichts an dem was oder wie ich bin. Frei als Mensch, in diesem, mir zugelassenen Rahmen.


Heute stehe ich unter Strom, ich darf, weil ich kann! The MenschoBOTer

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