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Möwe

Zeit!

  • Autorenbild: Prisca Santschi
    Prisca Santschi
  • 2. Nov.
  • 3 Min. Lesezeit

Ich habe keinen Einfluss auf die Zeit, ich kann nicht bestimmen, wie lange sie andauert. Ich musste etwas älter werden, um ein Gefühl für Zeit entwickeln zu können, ein Gefühl für diese Bedeutung. Nicht durch die Momente zu hetzen, sie nicht festhalten zu wollen, es zuzulassen, denn die Momente, sie dauern so lange wie die Zeit.


Schaukeln, nur schöner...

War oder ist es denn nicht immer mal so, dass wir etwas festhalten wollen, was sich gerade wunderbar anfühlt und wir zerstören genau in diesem Moment die Zeit, weil sie sich auflöst.


Im Moment zu sein, bedeutet in erster Linie bei sich zu sein. Nicht dort, oder da oder eben irgendwann wieder im hier. Nein, jetzt, hier, im Moment, mit dem Gefühl in dieser Hingabe der zur Verfügung gestellten Zeit. Ich kann nichts festhalten was ist, ich kann nichts zurückholen was vergangen ist, aber ich kann im Moment leben, in jedem Moment. Ein neuer kommt, sobald ich den anderen Moment verlasse. Die Zeit, bestimmt den Moment, die Dauer, die Sinnhaftigkeit, die Intensität, das Gefühl!


Wer ist sie, die Zeit? Ein Foto eines Moments, welches an das Gefühl zurückerinnert. Erinnerungen schaffen Momente, Erinnerungen bleiben, wenn ich sie durchlaufe, die Gefühle, welche der Moment ausgelöst hat – damals.


Manchmal spendet es Trost, manchmal verursacht es Trauer, Stolz, Hingabe, Freude. aber es ist nicht mehr der gelebte Moment, denn er kommt nicht wieder.


Nebel

So steckte ich oft in einer Art Zwischenwelt fest, so wie wenn man durch den Nebel geht, zwar einiges am Horizont noch erkennen kann, aber nicht sicher ist, ob es das ist, was man sieht. Es hat zwischen Wahrheit und Wahrnehmung so viel Schein, so viel Lüge, so viel Missverständnis – wohl wie der Moment und die Zeit. So ist die Wahrheit nicht gleich die Wahrnehmung, nur weil sie mit denselben Buchstaben ausgestattet sind, eben unterschiedlich. So ist der Moment nicht länger als die Zeit oder die Zeit nicht länger als der Moment. Ich kann mich in der Wahrheit eines anderen Menschen aufhalten und wiederfinden, aber ich kann nicht in seiner Wahrnehmung dasselbe sehen, wahrnehmen, fühlen.


Wir haben gelernt den Dingen mehr zu vertrauen, welche sichtbar sind. Ich soll nur das Glauben, was ich sehe. Es hält mein Auge wach, lässt aber meine Seele schrumpfen. Es verbietet mir, dass zu glauben, was mein Geist mir sagt, mein Inneres Auge, mein Gefühl. Aber – ist nicht das, was ich fühle, viel mehr das, was ich sehen sollte? Erkennen wir nicht genau mit dem Gefühl was sichtbar ist. Ich lerne also, dass ich mich mit dem äusseren Auge viel besser orientieren kann als mit dem Inneren? Es erstaunt mich heute nicht, dass ich verlernt habe mir und meinem Gefühl zu vertrauen. So lerne ich heute mich mit meinem Geist zu verbinden, mit mir – meiner Seele – es entstehen andere Bilder, andere Gefühle, andere Situationen. Ich weiss heute, dass der Moment, der meine ist, meine Wahrnehmung lässt dieses eine Bild entstehen, das darin aufkommende Gefühl, ist mein Gefühl.


Wir können gemeinsam in einem Bild sitzen und es entsteht ein Moment. Es sind aber zwei Momente, da zwei unterschiedliche Wahrnehmungen losgelöst werden. Wir sehen mit unseren Augen dasselbe, der Geist teilt sich aber in unterschiedliche Richtungen, so ist mein Moment nicht deiner und mein Gefühl nicht deines.


Rainbow

Die Zeit, ein Moment, mein Moment. Und um dem ganzen eine Geschichte zu geben, möchte ich nicht aufhören zu lernen, ich möchte nicht damit aufhören mein Leben mit Kindesaugen zu sehen. Ich will mich aber etwas aus dem Zirkus Leben zurückziehen.


Ich möchte nicht mehr ungefragt Informationen weitergeben, meine Meinung unaufgefordert mitteilen oder mich dafür verantwortlich fühlen, dass es meinem Umfeld gut geht. Viel mehr möchte ich meinen Geist darin schulen, Rücksichtvoll mit mir und meinen Gedanken umzugehen.


Ich möchte wissen, warum mich manche meiner Gedanken ausknocken oder triggern, warum andere Menschen oft einen höheren Einfluss auf mich haben als ich es zulassen möchte oder ich es erlaubt habe. Ich will mir wichtig genug sein, in der Zeit und in meinem Moment.


Was ist sie also, diese Zeit, es spielt keine Rolle, was sie ist, denn für mich bedeutet sie was anderes, aber es ist schön, wenn wir sie beide haben, die Zeit.


Me

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