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Möwe

Die Illusion...

  • Autorenbild: Prisca Santschi
    Prisca Santschi
  • 21. Juni
  • 5 Min. Lesezeit

Es sind Gedanken, die unseren Kopf und auch unser Herz füllen. Es sind keine Wertungen, es sind nur Gedanken, wie ein Fluss mit kristallklarem Wasser, welches von A nach B fliesst, erst wir befüllen den klaren Fluss mit Wertung, mal da ein Stück Holz, mal da eine leichte Feder, mal dort eine Staumauer, aber am Ende sind es nur diese einen Gedanken, die wir bewerten. Wir unterteilen sie, wir werten sie und wir platzieren sie, solange bis wir sie lösen oder ganz daran zerbrechen.


Seid ihr schon einmal in der Aare oder im Rhein geschwommen? Habt euch treiben lassen, schwerelos, leicht, frei… die erste Brücke „oh… ein Gedanke…“ und nach einem Gedanken folgt ein Gefühl.


„Es hiess doch immer, eine Brücke zu durchqueren sei gefährlich, es könnte mich in einen Strudel ziehen, ich würde mit dem Strudel nach unten gedrückt“


„Was muss ich machen, das hatte ich doch gelesen, mich nach unten drücken lassen, bis ich den Boden berühre und mich dann nach vorne abstossen… so würde ich dem Strudel entkommen…“


„Ach quatsch, mich wird der Strudel nicht mitnehmen, ich muss nur summen, oder die Augen schliessen.“ Wie auf der Autobahn, wenn ich bei einer Baustelle, einen Lastwagen überholen muss… summen, ja summen hilft.


Ein Gefühl stellt sich ein, das Herz pocht schneller, der Gedanke leitet mich und meine Gefühle an und am Ende kann ich nicht mehr klar denken, ich folge einer Illusion meiner Gedanken, meine Gefühle bestätigen mir, dass es ein gefährlicher Akt ist, sich in der Aare treiben zu lassen, was für eine scheiss Idee, wie bin ich nur darauf gekommen.


Ich bringe mich unweigerlich durch den Gedanken in Gefahr! Nun, gibt es diejenigen, die gelernt haben dem ganzen einen Laut zu geben, den Gedanken laut aussprechen „Ich habe Angst!“


So mache ich den Gedanken greifbar und er dreht sich nicht weiter, er bleibt stehen. Meine Gedanken werden immer auch vom Herzen begleitet – es verlangt nach Nahrung, welches den Gedanken soweit unterstützen kann, dass es am Ende wie ein starker Strudel wirkt. Ich habe gelesen, dass, das Herz immer fordert, es ist wie ein Allesfresser, dass nur darauf wartet einen Strudel auszulösen. Ich kann also das Herz, das Verlangen nicht stoppen, ich kann aber die Gedanken, die dem Herz Nahrung geben aufschlüsseln und klarer darstellen. So dass aus dem kristallklaren Fluss, kein reissendes und gefährliches Gewässer entstehen kann. So die Theorie…


Your turn...

Für mich ist der beste Vergleich, Rennradfahren. Wenn ich geplagt bin von Inneren Kräften, Unruhen, Gedanken-Karussell, Herzschmerz, welche mich in Richtungen weisen, welche ich nur schwer einordnen kann, wird mein Körper schwerer, mein Wille etwas dagegen tun zu können schwächer und ich gebe mich dem Strudel irgendwann hin. So, dass ich nicht mehr unterscheiden kann, was der Wahrheit entspricht. Die Illusion hat also Einzug genommen…


Mich aufraffen kommt einem Marathon gleich, mit Blei an den Beinen versuche ich mich auf mein Rennrad zu setzen, es ist kein leichter Akt mit dem Rennrad in irgendeine Richtung loszufahren, als ob jemand Sekundenkleber an meine Reifen geklebt hat, so dass ich gefühlt nicht von der Stelle komme.


Mein Kopf sagt mir still und leise „dreh um, es ist heute kein guter Tag, es wird sicher was passieren und dir wird es noch schlechter gehen…“


Ich ignoriere die Gedanken, die Gefühle, versuche mich auf die Natur und vor allem meinen Atem zu konzentrieren, jeder gefahrene Kilometer lässt die Stimmen in meinem Kopf und meinem Herzen leiser werden, sie verschwinden zunehmend und ich bekomme endlich Luft einzuordnen was passiert ist.


Wegfokussieren heisst nicht – vergessen oder klein machen – es heisst dem Gedanken das Gewicht zu entziehen, bevor ich es werte. Nicht auf alles direkt reagieren! Mir Zeit lassen, mich damit auseinandersetzen, wenn die Zeit kommt und ich eine innere Zufriedenheit empfinde. Das Herz ist getrieben von Gier, es wird niemals Ruhe geben und solange ich mich vom Herzen leiten lasse, wird es nur schwer möglich sein ein ruhiges Leben mit meinem Innern führen zu können.


Nun gut, ich könnte jeden Tag hunderte von Kilometern Rennrad fahren, aber das wäre wohl der Anfang eines neu aufkommenden Problems, mein Körper würde mir hier auf Dauer einen Strich durch die Rechnung machen. Das Rennradfahren soll nicht andeuten, vor den Gedanken oder dem Herzen fliehen zu wollen, denn das wird uns nicht gelingen. Viel mehr teile ich die Erfahrung, dass es ruhiger und klarer wird, anstelle von sich darin suhlen und der Illusion noch mehr Gewicht zu geben.


Sei du... sei bei dir...

Schwimme ich heute die Aare hinunter, so kommt die nächste Brücke bestimmt, der Strudel streift auch meine Gedanken, das Herz pocht schneller – ich nehme den Gedanken, das pochende Herz und den zunehmenden Strudel an, bleibe aber bei mir, fühle den Körper, der in der Aare gleitet, schwerelos, die Vögel zwitschern und die Sonne wärmt mein Gesicht… der Fokus liegt auf dem Körpergefühl, dem positiven Moment und dem Gedanken, das Herz lässt sich auf das schwerelose Gefühl ein.


Meistens weiss ich vor dem Schreiben nicht, was ich eigentlich schreiben will. Es ist wie vor einem Teller „Buchstabensuppe“ sitzend, ich rühre ein wenig mit dem Löffel darin rum und die Buchstaben bilden Worte und aus einem Wort entsteht dann irgendwie ein roter Faden, der beim Schreiben die Sätze bildet und am Ende setze ich einen Punkt, wenn die Gedanken aufgehört haben Sätze zu bilden oder die Buchstaben aus der Suppe verschwunden sind – wenn Ruhe im Kopf einkehrt.


Es sind immer Situationen aus meinem Leben, welche mich beschäftigen, begleiten und oftmals erst wieder loslassen, wenn sie Antworten erhalten haben. Sei es durch das Lesen eines Buches oder durch das Lernen aus anderen Situationen, es bildet dann die Geschichte. Und so weiss ich heute, dass der Gedanke, welcher mich gerade jetzt dazu verleitet hat, diese „Geschichte“ zu schreiben, aus einer Situation heraus entstanden ist, die weit vor dem heutigen Moment liegt, aber Teil meines Lebens und somit Teil meiner Geschichte geworden ist – nämlich der Weg zu mir selbst.


Mein Spiegelbild, welches sich in den letzten Jahren verändert, es wächst, es wird zunehmend faltiger aber durch die Falten auch lebendiger und vor allem klarer, sicherer. Ich lebe zwar auch heute manchmal noch das Leben anderer, will Gefallen, passe mich an, versuche mich hintenanzustellen und den aufkommenden Gedanken „ich möchte das eigentlich so nicht“ von mir weg zu stossen, weil ich denke, dass aus Leistung oder Aufopferung auch Anerkennung oder Liebe entsteht.


Der unterschied vom damaligen Spiegelbild zum heutigen – ich leide nicht mehr darunter - weil ich heute weiss, wann ich mich bewusst gegen mich entscheide und wann ich einfach nur ja zu mir sage.


Gegen mich entscheiden heisst, es ist Zeit weiter zu lernen, weiter an mir arbeiten zu wollen, um am Ende bei mir sein zu könnne, für mich einstehen zu wollen.


Es ist also der Gedanke oder das Herz! Lasse ich mich von der Gier, der Illusion oder dem Gedanken leiten, es sind Welten, auch in der Auswirkung auf die nächsten Schritte im Leben. Ich lebe heute bewusst meine Entscheidungen, denn ich lerne von ihnen. Ich lerne durch Situationen und ich lerne durch mich, mein Verhalten in den bestimmten Situationen. Es ist mein Spiegelbild, welches ich zur Verfügung stelle, aber eben nur das Spiegelbild.


Ich bin abgeschweift, nein eigentlich nicht. Die Buchstaben in der Suppe bilden nun noch den einen Satz: „Geniesst den Moment in der Aare, im Rhein – seid schwerelos, lebendig – aber nicht gierig…“


Me!

 

Man muss nicht immer gleich reagieren, es ist das Herz, dass dieses Gefühl auslöst verletzt zu sein oder sich erklären zu wollen, Hauptsache der Schmerz verschwindet, also soll ihn derjenige zurücknehmen der ihn auch verursacht hat – das Leben ist eine Illusion, der Gedanke ist die Kraft und das Herz hat die Macht – wer also soll dein Leben steuern – die Illusion?!

 

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