Lights Go Out
- Prisca Santschi

- vor 2 Tagen
- 3 Min. Lesezeit
Die Unendlichkeit gibt es nicht. Das Licht ist erloschen, die Welt steht still. Es dreht sich nichts mehr und der Raum, der vor einiger Zeit mit Leben bewohnt gewesen ist, ist heute Leer, Still und unerträglich. So wäre und ja, so ist es. Wäre da nicht mein Glaube und die darin enthaltene Hoffnung, dass dieser Moment auf der Erde ein Ende haben kann, es aber nicht das Ende für die Ewigkeit bedeuten muss. So bin ich überzeugt davon, dass alles, was ist, auch einmal ein Ende hat und alles was noch nicht ist, einmal ein Anfang hat.
Vor zwei Wochen musste ich diesen schmerzhaften Weg beschreiten, mein geliebtes Seelentier aus meinen Armen loszulassen, um ihr die Flügel zu geben, die sie braucht, um den neuen Weg am anderen Ende der Welt beginnen zu können. Auch wenn sich gerade jeder Tag so anfühlt, als wäre sie nur kurz nach nebenan gegangen, sich im anderen Raum schlafen gelegt hat und vor sich hinträumt. So als würde sie gleich um die Ecke schauen - gähnend, streckend, warm und wohlig – um sich zu vergewissern, dass ich noch da bin einen Snack abholen.
Aber da kommt nichts aus einem anderen Raum auf mich zu, da ist nichts mehr, dass ich in meine Arme schliessen kann, mich mit ihr zusammen in neue Abenteuer stürzen, oder einfach auch nur dasitzen, geniessen und ein wenig die Welt mit ihren Augen sehen. Zeit haben. Es ist erstaunlich wie sich die Theorie in diesem Moment so ganz und gar nicht mit der Praxis verbinden lässt.
…you can find the wonders in the smallest things!
Ja, sie ist nach nebenan gegangen, bewusst und frei. Sie ist noch hier, wir surfen noch immer dieselbe Welle, gehen gemeinsam durch diese Tage und Abenteuer hindurch, sie ist mir noch näher als davor schon. Es ist ihre wundervolle Seele, die mich berührt, jeden Tag aufs Neue. Ich werde den Schmerz, sie nicht mehr riechen und halten zu dürfen, eines Tages hinter mir lassen können, weil ich weiss, dass der Raum, in dem sie sich nun befindet – eines Tages wieder der unsere sein wird.

Jeder Schritt, den ich heute gehe, gehe ich noch bewusster. Ich höre und rieche sie noch immer. Das nach Hause kommen ist noch nicht dasselbe, die Nacht will mich gerade noch nicht bei sich haben und hält mich eher wach als schlafend. Die Energie ist eher auf Sparflamme.
Ich habe mir fest vorgenommen, die in den letzten 9 Jahren gemeinsam besuchten Orte, bewusst am Leben zu erhalten, sie immer wieder zu besuchen, farbig zu halten um in Gedanken weitere Spuren zu hinterlassen.
Wenn ich die Fotos durchgehe (und davon gibt es tausende) wird mir bewusst, dass wir so viel gereist sind, wir haben praktisch die ganze Welt in unseren Rucksack gepackt, so stehen mir noch einige Tage, Monate und Jahre bevor, an denen ich die Erinnerungen durchleben darf. Wir sind nicht unendlich, das Leben ist nicht unendlich – der Schmerz ist nicht unendlich.
Wenn auch der Verlust viel zu gross ist, das Herz weint und der momentane Zustand kaum auszuhalten, so fasziniert es mich, wie sie noch immer da ist, ich liebe ihre Zeichen, ihre Besuche – die Frage ist – sind wir wirklich nicht unendlich? Sind unsere Gedanken und Gefühle einfach beschränkt und wir haben noch nicht den Raum nebenan gefunden, also wirklich gefunden. Ist der Tod nur ein Weitergehen in einen Abschnitt, welcher nur dann erreicht werden kann, wenn die Zeit es sagt. Wir nicht selbst bestimmen können, wann wir diesen Raum, gleich nebenan besuchen dürfen. Sind diese Zeichen nur Wahnvorstellungen, oder bewusste Entscheide sich den Schmerz «schön zu reden» oder sind es Wahrheiten, Wirklichkeiten, Unendlichkeiten.

Es ist bestimmt für jeden etwas anderes und ich denke es ist bei jedem seine eigene Verwundbare Seite, seine Gefühle und Wahrheiten.
Ich bin berührt, in meiner Seele aktiviert – wann immer sie mich besucht, ich bin da.
Nein, nein, keine Angst, ich konsumiere keine Drogen und tauche auch nicht in eine Schizophrene-Typen-Sympto-was-auch-immer-ab.
Die Trauer und der damit verbundene innere Schmerz lassen mich einfach irgendwie ohnmächtig sein.
Ich versuche, die Botschaften, welche mein Herz und meine Seele erreichen, einzuordnen, in meine Welt, in diese Welt – in den Raum neben ihrem Raum.
Der Titel «Lights Go Out» widerspiegelt nur das Bewusstsein der existierenden Unendlichkeit. Lösche ich das Licht in dem einen Raum, lösche ich nicht gleichzeitig auch das Licht im Raum daneben.
Requim: https://youtu.be/thMOsFzds3g
Miss u







Kommentare