top of page
  • AutorenbildPrisca Santschi

FC SRF!

(FC SRF = Scheiss auf Richtig oder Falsch)


Wenn sich die Welt in die falsche Richtung dreht, wenn die Scheibe (die ja eh keine ist – zumindest nicht in meiner Welt, wobei, eher noch eine Scheibe wie eine Kugel) eine Delle hat und wie die alten Platten springen und hüpfen wie sie wollen - wenn es nicht mehr kontrolliert werden kann, wenn ich denke es geht in diese Richtung es dann aber durch den urplötzlichen Hüpfer der Scheibe doch wieder in die andere Richtung, dann stelle ich mir vor, wie es einem Torhüter bei einem bevorstehenden Penalty geht. Da liegen zwischen 7,32 Metern Tor eine Menge Spielraum für den darauf-zu-fliegenden-Ball und wenn da noch Murphys Gesetz dazu kommt, dann ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass du ins falsche Eck hüpfst – etwa so fühle ich mich seit ein paar Tagen.


Ein etwas anderer Blog-Post und ich weiss auch gar noch nicht so recht in welcher Schublade ich ihn am Ende versorgen soll. Denn er hat von allem etwas – ein Überflieger so zu sagen. Aber vielleicht passt er doch am ehesten in die Game-Changer-Abteilung, denn wenn das nichts mit Change zu tun hat, dann kann ich mir diese Orientierungslosigkeit in meinem Kopf nicht besser erklären.


Wenn du denkst es wird alles gut und am Ende ist gut weder gut noch das Ende, sondern erst der Beginn des Besch… Games, dann kannst du nicht von Gut oder von Ende sprechen. Was will mir die Scheibe denn sagen, was will diese Delle, von mir und warum kackt sie so ab worauf soll ich Acht geben oder wer oder was spricht mit mir.


In mir ruht sonst die geordnete Struktur des Lebens, meine Gehirnschubladen sind alle beschriftet und haben ihre Ordnung.


Die Lernphase, in der ich nicht wusste, welche Wege ich einschlagen will hat sich auch schon vor längerer Zeit von mir verabschiedet und ich ziehe mich auch um die Nierenpartie warm genug an (zumindest hat mir meine Mama immer damit in den Ohren gelegen). Ich lebe weiterhin in der Schweiz und passe mich so gut es geht an die vorgeschriebenen Gesetze an. Ich mutiere zu einer Art «Muss-noch-ne-Weile-auf-Freiheit-warten» Mensch und fühle mich darin gerade in trockene Tücher gewickelt und nun kommt diese Scheibe und schneidet mir von hinten die Achillessehne durch, so dass ich beim Stehen schon mit umfallen belastet bin.


Es scheint, als ob Netflix gerade nur darauf wartet in naher Zukunft einen Vertrag mit mir einzugehen, eine Dokumentation in Serie – denn das Ende ist ja noch nicht absehbar – gibt es dieses Ende in meinem Leben überhaupt. Stellt euch vor, ihr schliesst eine Türe, hinter dieser ist aber schon die nächste Türe offen, der Weg voller Matsch und Dreck, ungeordnet, keine Gummistiefel, keinen Regenschirm, Sonnenschein schon gar nicht, einfach nur eine Türe, hinter einer Türe, einer Türe, einer erneuten Türe, einer weiteren Türe, einer Unsichtbaren Gestalt folgend – ein Psychoalbtraum sondergleichen und die Regie wie auch das Drehbuch geschweige denn die Schauspieler spielst du alles in einer Person und versucht darin auch noch «positiv und optimistisch» zu bleiben.


Wenn deine Frau mit einer Rückenoperation beglückt worden ist, knapp eine Woche später der Bauch sich mit Flüssigkeit füllt, das eine mit dem anderen herzlich wenig zu tun hat, du 2 Tage auf dem Notfall verbringst, bis die Hiobsbotschaft ausgesprochen wird, dass eine erneute Operation gemacht werden muss, weil diese Flüssigkeit dort nicht sein sollte, warum auch, denn der Rücken soll doch in erster Linie einfach heilen, dass da noch Flüssigkeiten mit im Spiel ist, hätte es nicht mal bei einer neuen Staffel von Final Destination gegeben.


So wurde ES mit einbezogen, um am Ende Fredy Krüger (1, 2, Fredy kommt vorbei) und Scream in den Operationssaal als Assistenzärzte zu rufen, damit es dann von einer Romantischen Serie: «Dr. K. der Arzt dem die Frauen Vertrauen» in eine Horror-Story: «Das Cabinet des Dr. K’s » umgewandelt werden kann. So schnell wechselt eine Sparte die andere und die Romantische Vorstellung wird durch den Action-Anteil direkt in die Horror-Rubrik verschoben.


So landet meine Frau also zum zweiten Mal innert 5 Tagen auf dem Operationstisch, liegt nun mit einem 2ten Schlauch, der aus ihrem Bauch ragt im Spitalzimmer (heute auch wieder mit Fensterplatz – nicht ganz günstig, aber immerhin) und wartet darauf entlassen zu werden. Entlassen, zurück in die Romantische Sparte – zurück in das Leben, welches die geplante Schublade vorgesehen hatte. Wann auch immer dieser Tag sein wird, er steht geschrieben – wenn die Scheibe keine Delle hätte, wenn der Torhüter den Penalty vorausschauend ins korrekte Eck denken könnte, dann wüssten wir auch wie lange und warum überhaupt diese Geschichte heute ist was sie ist.


Aber eben…

Wenn das Wörtchen, wenn nicht wäre, dann wüssten wir auch, warum die Delle springt, warum die Wahrscheinlichkeitsrechnung entstanden ist und der Torhüter eben nur mit viel Glück den Penalty hält. Das Ende vom ganzen ist der Anfang des Rests.


Meine Frau liegt also im Operationssaal, nach einiger Zeit dann die Mitteilung, dass soweit alles nach «Plan» verlaufen ist und sie im Aufwachraum zurück ins bitter-süsse-Leben kommt. Die Freude ist nur von kurzer Dauer, ein unerwarteter Anruf informiert mich darüber, dass es meinem Hund unglaublich schlecht geht, sie wohl (man vermutete aufs Erste) einen Epileptischen Anfall hätte (was?! Meine kleine Knutschkugel, das hatte sie noch nie…), ich muss also innert kurzer Zeit meine Frau, welche unter starken Schmerzmitteln im Delirium steht, darüber informieren, dass ich schnellstmöglich weg muss. Meinen Hund abholen, mit dieser Ungewissheit durch die nassen, dunklen Strassen von Bern fahren, dem Feierabendverkehr aus dem Weg gehend, über Stock und Stein – 45min später am Zielort angekommen finde ich einen apathischen Hund vor, welcher kaum stehen kann, die Augen flimmern fürchterlich stark und ich habe keine Ahnung was los ist.


Ich packe meine Knutschkugel unter den Arm, fahre so schnell es geht in die Tierklink nach Thun, wo bereits die Ärzte auf mich warten. Kurze Untersuchungen und der Entscheid steht fest, es muss ein CT gemacht werden, der Hund wird also über Nacht dabehalten, am morgen direkt in Narkose gelegt um die Untersuchungen lostreten zu können. In diesem Zustand meine Knutschkugel allein lassen zu müssen bricht mir das Herz, aber ich kann gerade nichts mehr tun als hoffen und beten. So fahre ich in die Nacht zurück, die Regentropfen spielen eine Art Melodie auf mein Autodach und ich bin für einen kurzen Moment den Tränen nah.


Meine Frau wurde mittlerweile auf das Zimmer verlegt, sie ist ansprechbar, starke Schmerzen und noch immer keine genauen Angaben. Dennoch, sie wird betreut und ich hoffe sehr, dass sie eine ruhigere Nacht vor sich hat.


So endet mein Tag, spät, aber zu Hause – allein.


Ein neuer Tag, die Dellen sind noch da, die Scheibe hat noch immer unendlich viele Sprünge und das Wetter macht den Gedanken jede Ehre. Der Penalty scheint noch nicht gehalten worden zu sein. Meine Frau hatte eine eher unruhige und schmerzvolle Nacht und Nacho’s CT klingt leider auch nicht gut. Eine unglaublich starke Mittelohrenentzündung, alles vereitert und das Hirn und all die Nerven darin sind angegriffen, die Operation, welche durchgeführt werden muss, wird lange dauern und der Genesungsprozess nicht absehbar – da keine Ahnung was alles dabei rauskommen wird. Welche Nerven verletzt und angegriffen worden sind und ob die kleine Knutschkugel mit all der Vorbelastung überhaupt mitmachen wird und kann. Ich treffe also die Entscheidung ins blaue und stimme der Operation zu. So fahre ich jeden Tag ins Horrorkabinett zu meiner Frau, hoffe auf irgendwelche Zeichen, welche mir die Zuversicht gibt an ein gutes Ende zu glauben und warte die Telefonate mit dem Tierarzt der Klink ab.


Heute, 2 Tage später liegt Nacho noch immer «benebelt» und angeschlagen von der Operation im Tierspital, sie kann sich noch nicht auf den Beinen halten und muss die kommenden 2 Tage sicher noch dortbleiben. Die Schmerzmittel mögen ihr ein wenig das Leben erleichtern – so meine kurzen Gedanken an sie. Auch meine Frau, wartet nun seit 3 Tagen auf stetige Besserung und positive Ergebnisse und wir pendeln in den Gedanken von einer romantisch geprägten Dokumentation in ein Kabinett voller Grusel und Horrorgeschichten. Wenn ich doch nur kurz dem Andrej Kolmogorov eine Whats-App zustellen könnte, er mir die Wahrscheinlichkeitsrechnung in diesem Fall berechnen könnte, dann wüsste ich zumindest, wie gross meine Hoffnung sein darf, dass ich die beiden eine Romantische Art und Weise nach Hause holen kann.


Ich würde sogar das Pferd (kann von mir auch aus ein Einhorn sein) und die Kutsche dafür selbständig Zimmern, Hauptsache wir kehren dahin zurück, wo wir aufgehört haben – bei der kleinen Knutschkugel welche um die Wette schnarcht und meiner Ehefrau, welche sich darüber beklagt dass es draussen regnet und sie lieber Sonnenschein hätte, denn dann könnte sie wenn sie möchte rausgehen oder zumindest der Wille dazu wäre da gewesen und die Umsetzung ihre eigene Entscheidung.


The Game Changer – oder meine Art die Ereignisse zu verarbeiten, welche gerade auf mich zukommen, mit einem grossen Fragezeichen, mit viel Spielraum für Interpretationen und noch mehr Lernmöglichkeiten. Lieber Torhüter, bitte sei dieses Mal besser als beim letzten Mal und halte gleich zwei Mal nacheinander, wenn es daran liegt, dass die Mathematik nicht dein Freund ist, dann lass mich für dich die Formel berechnen und springe dann, wenn ich sage - JETZT…


Geniesst alles, was es zu geniessen gibt, auch dann wenn ihr lieber wo anders sein würdet, denn am Ende kommt es immer anders als ihr denkt.


The Game Changer – oder die mit dem Fragezeichen gerade nicht im Einklang ist! One Love is better than more L-O-V-E!

102 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

...

Messers schneide!

Comentarios


bottom of page