• Prisca Santschi

Achillessehne!

Wenn ich ein Skalpell hätte, dann könnte ich mir die Schädeldecke aufschneiden, ich könnte die Masse – genannt Gehirn – rausschneiden, leicht lösen, von all den Nerven-/ Blutbahnen trennen, noch leicht pulsierend auf dem Tisch sezieren und mich darin versuchen herauszufinden welcher Teil den nun dafür Verantwortlich ist, dass ich in der Nacht nicht schlafen kann. Ich könnte vielleicht auch herausfinden, wie ich neue Modelle kreiere, Modelle wie sie in Robotergehirne verschraubt werden, Modelle wie ich sie programmiere, dass ich beim Klick auf den "Senden-Button" eine Aktion auslöse, welche eine Reaktion bereithält.


Vielleicht könnte ich aber auch einfach wegschneiden was nicht mehr gebraucht wird.


Wenn Vampire um Mitternacht die Eckzähne spitz werden lassen, wenn sie im Blutrausch um die Häuser ziehen, dann fühle ich mich angezogen vom Gedanken losfliegen zu können, drauflos zu morden um am Ende wie Dornröschen im Bett liegend, augenreibend zu erwachen und mich so zu verhalten als wäre die Nacht erholsam und unverdorben gewesen.


Weiss, Weiss wie die Unschuld – das Kleid mit der Mordlust ist nicht, war nicht – ich erinnere mich nicht…

Zack!

Die Halle hallt – es ist nur noch eine Halle, denn die Masse liegt noch immer vor mir auf dem Tisch, das Skalpell in meiner rechten Hand, bereit drauflos zu schneiden, die Anleitung – warte, wo war die noch mal? Wie bei einer IKEA Aufbauanleitung, wo die meisten Teile fehlen, welche man gebraucht hätte, um das Ganze zu komplettieren.


Die Anleitung neu zu formieren, was so nicht existieren darf – so wie Chucky, Annabelle, The Boy oder wie sie alle heissen, die Puppen, welche kurzgeschlossen worden sind – fremdprogrammiert. Ich schaue mich um, die Masse, welche vor mir liegt, liefert nicht die Antwort, auf welche ich warte. Mein Kopf scheint zu explodieren, ich höre Stimmen, Stimmen welche mir sagen wie schlecht und schlimm es doch ist, wenn ich sowas aufschreibe, wenn ich sowas denke.


Geh, los, lass Dich therapieren, bei dir stimmt doch was nicht. Sei nicht albern, benimm dich, du wirst dann schon irgendwann wieder schlafen können, so schlimm ist es doch gar nicht. Hast du schon dieses und jenes ausprobiert, du musst eben irgendwie zur Ruhe kommen. Aber bitte hör auf sowas zu denken, das ist Psycho, das ist nicht «normal» - du schaust zu viele Filme, welche dir nicht guttun und du hast am Ende einfach einen an der Waffel.


Schall und Rauch – alles löst sich auf und ich stehe noch immer da – in Gedanken mit dem Skalpell in meiner rechten Hand, mein Gehirn vor mir auf dem Tisch, ich suche noch immer in all den Hirnwindungen nach der Ursache, die mich nachts nicht schlafen lässt.


Und wenn wir nun aus diesen Worten aufwachen, uns umsehen – das Gehirn vorne auf dem Tisch nur sinnbildlich dafürsteht, dass all das was von aussen kommt mit dem "Senden-Button" eine Aktion auslöst, die Aktion, welche deine Reaktion beeinflusst!


Welche dich zu dem gemacht hat, was andere für dich gesteuert haben.


Was wenn das Gehirn nicht durch dich, sondern durch alles was von aussen kommt in dich eingedrungen ist, dass das was du wahrnimmst all das ist was du glaubst zu wissen? Was wenn du merkst, dass diese Masse in deinem Kopf nicht dir gehört, sondern bereits von vollkommen Fremden Zeitgenossen übernommen worden sind, du nur ausführst was man dir einverleibt, dass du in einem Videospiel als Marionette durchs Leben "gemoved" wirst?




Was wenn du nichts als eine schlechte Kopie all dieser Chucky’s, Annabelle’s bist - du nicht allein zuständig bist für das Grausame da draussen, dir jeden Abend die Tagesschau anschaust, ein zartes «Lächeln» deine Hirnzellen anregen, weil du weisst, dass am Ende du die Ursache, die Ausführung, die Gestalt für all das Elend bist - es dich aber nicht so berührt wie es dich berühren sollte. Weil du beim Ausschalten des TV’s wieder weitergehst, über Leichen, über Informationen welche dich nicht direkt selber betreffen - du Marionette, du Unmensch…


Was nun? Sind meine Gedankengänge ganz zu Beginn, wirklich so schlecht? Liege ich mit der Vorstellung so daneben, dass ihr immer noch denkt, ich sei nicht von dieser Welt, eine wandelnde Horror-Figur, welche zu viel trinkt oder gar zu viel raucht? Ich bin mir sicher, einige von euch da draussen fragen sich dasselbe – das sind dann aber die, die sich fragen, warum sie in der Nacht nicht schlafen können, warum sie darunter leiden – wenn die Masse im Gehirn Windungen verursacht, welche das hinterfragt, was andere umprogrammiert bekommen haben.


So bin ich eine geflüchtete, eine die rannte, als all die Zombies um mich rum «fang mich doch» gespielt haben. Ich gehöre zu den anderen, nicht zu den besseren – aber zu den «denkenden» nicht fremdgesteuerten.


Und da stehe ich, immer noch mit dem Skalpell in meiner rechten Hand grausam mit den Gedanken, welche mich leiten – ohne den Senden Button jemals drücken zu müssen, wird meine rechte Hand eine Reaktion auslösen, zu meinen Gunsten? Ich weiss es nicht – vielleicht finde ich am Ende doch auch gefallen daran umzupolen was nicht bei drei auf dem Baum ist.


So rennt, rennt so schnell ihr könnt, denn nicht jeder Zombie verliert beim «fang mich doch» - schneide ich euch in Gedanken die Achillessehne durch, dann wird rennen eine ganz andere Bedeutung bekommen.


Gute Nacht, diese Nacht. Schlaft schön – noch… The End



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